Sinnvoll spenden auf einer Afrikareise

Wie richtig auf einer Afrikareise spenden, um mehr Gutes als Schlechtes anzurichten.

Gerade Neuankömmlingen bereitet die ungewohnte Armut, mit der sie auf ihrer ersten Reise nach Afrika konfrontiert werden, große Gewissensbisse. Man reist komfortabel mit dem klimatisierten Wagen, wohnt in schönen Lodges und verspeist bei drei reichlichen Mahlzeiten deutlich mehr Nahrung, als es für die eigene Gesundheit gut wäre. Und drum herum gibt es nur dürftige Hüttensiedlungen, umher laufende Kinder mit aufgeblasenen Bäuchen, barfuß laufende alte Menschen, Frauen mit schweren Wasserkrügen auf dem Kopf und Kindern am Rücken.

Ja, eine Safari nach Afrika liefert nicht nur fantastische Begegnungen mit der afrikanischen Fauna, sondern konfrontiert uns auch mit den für uns unvorstellbaren Lebensstandards von Millionen von Menschen.

Und wir fühlen uns schlecht dabei.

Nebst gesundheitlichen Bedenken und die Fragen zur Malaria-Gefahr, und die Sicherheit auf Reisen (dieser Artikel vom Reiseblog Weltreiseforum liefert eine Hammeranalyse über Sicherheit auf Reisen) stellt der Umgang mit extremer Armut und die Frage, ob wir ja oder nein spenden sollten, womöglich unsere größte Sorge bei der Vorbereitung einer Afrikareise dar.

Lächelnd, aber nach westlichem Maßstäben unvorstellbar arm: die Himbas im namibischen Kaokoland – Epupa Camp

Viele überkommt das plötzliche Gefühl, alles mit allen Teilen zu wollen. Das üppige Essen in den Lunchpaketen, die zu warm gewordenen Wasserflaschen, die niemand trinken will, die zum Überfluss mitgeführten Medikamente, die man getrost hätte zu Hause lassen können, das alte Paar Trekkingschuhe, das man sowieso nicht wieder mit zurück nehmen möchte und das viel zu viel Platz im Gepäck einnimmt…

Aber so Leid wie uns die Menschen und deren Armut auch tun, unüberlegte spontane Mitleidsaktionen richten häufig mehr Schaden als Gutes an.

Und ganz im Ernst, kein einzelner Tourist, nicht mal alle Touristen zusammen, werden mit ihren Spenden irgendetwas an der dürftigen Lage der Bevölkerung langfristig verändern. Denn solche Veränderungen erreicht man nicht mit materiellen Spenden, sondern mit einer allmählichen Veränderung der Mentalität und mit Bildung.

Das heißt natürlich nicht, dass Ihr das alte Paar Schuhe, was ihr wegzuwerfen plant, wirklich in den Mülleimer tun sollt. Spenden ist wichtig, muss aber aus einer rationellen Überlegung herkommen und nicht aus spontanem Bauchweh.

Spenden an Kinder auf Deiner Afrikareise

Kindern Geld oder Süßigkeiten geben ist zwar gut gemeint: Damit wird nur unser schlechtes Gewissen geholfen, den Kindern nicht.

Es sind natürlich die kleinen, oft unterernährten Kinder mit ihren schmutzigen, an vielen Stellen kaputten Klamotten, ihren aufgeblähten Bäuchen, ihren nackten Füßen, die uns am meisten Leidtun.

Man sieht sie oft entlang der Straße. In touristischen Ländern wie Tansania treffen Touristen immer wieder Maasai-Kinder, die ihre Kuhherden nah der Straße führen. Sobald sie einen Jeep voller „Muzungus“ (Weißen) sehen, kommen sie angerannt und stehen am Straßenrand. Sie wissen, dass die weißhäutigen Insassen des Jeeps dazu geneigt sind, ihren Fahrer zum Anhalten anzufordern.

Vielleicht bekommen sie etwas zu essen oder zu trinken. Vielleicht sogar ein paar Geldscheine oder Süßigkeiten. Warum die Muzungus das machen, ist ihnen sicherlich ein Rätsel. Denn sie würden nicht verstehen, warum man Mitleid an ihnen haben sollte.

Spenden an Kinder während einer Afrikareise sollten fast ausnahmslos tabu sein.

Nur wenn man sein Lunchpacket teilen möchte, kann man das auch tun, vorausgesetzt, man entfernt jegliche Plastikverpackung vorher. Sonst würde diese Verpackung einfach auf dem Boden mitten der unberührten Savanne landen. Süßigkeiten und Schokolade sollte man den Kindern natürlich nicht geben.

Hier findet Ihr die zwei wichtigsten Goldregeln, um auch für die einheimischen Kinder richtig zu spenden:

Gib den Kindern niemals Bargeld

Denn dieses Verhalten fördert die Bettelei der Kinder und hält sie von der Schule fern. Sinnvoller ist es, Geld dort zu spenden, wo es gezielt und verantwortungsbewusst eingesetzt werden kann.

Gib den Kindern niemals Geschenke

Auch keine Stifte oder Schulblocks. Diese werden in der Regel von den Eltern beschlagnahmt und weiter verkauft. Wenn Ihr etwa Schulmaterial spenden möchtet, wendet Euch an eine der vielen Schulen, die auf dem Weg liegen, und dort am besten direkt an den Schulleiter.

Medikamente auf einer Afrikareise richtig spenden

Westliche Medikamente und Hygieneartikel können bei einer ländlichen Bevölkerung, die an deren Gebrauch nicht gewöhnt ist, mehr Schlechtes als Gutes anrichten.

Einem Baby auf einem unzugänglichen Tanala-Dorf auf Madagaskar ging es bei unserem Besuch nicht gut. Mit einer ärztlichen Versorgung ist in dieser abgelegenen Ecke des Landes, wo verstreute Dörfer nur zu Fuß erreicht werden können, nicht zu rechnen.

Westliche Medikamente und Hygieneartikel können bei einer ländlichen afrikanischen Bevölkerung, die an dessen Gebrauch nicht gewöhnt ist, mehr Schlechtes als Gutes anrichten.

Wir haben von Kindern erfahren, dass sie eine Seife, die sie zum Waschen erhielten, für etwas Essbares hielten und gegessen haben. Ein Mann wurde sehr magenkrank, weil er das Aspirin nicht verkraftete, welches wir ihm zur Linderung seiner Kopfschmerzen gegeben hatten.

Nicht verbrauchte Medikamente oder Artikel zur Körperpflege, die Ihr verschenken möchtet, gehören ausschließlich in ein Krankenhaus, eine Klinik oder zu einem Arzt.

Wie richtig auf einer Afrikareise spenden

Ihr habt hoffentlich eingesehen, dass unüberlegte Spendenaktionen häufig ungewollte Konsequenzen haben, die den meisten Touristen einfach unbekannt bleiben. Kinderbettelei, Schulabbruch, gesundheitliche Probleme, Müll… Unser Gewissen wurde zwar beruhigt, aber zu welchem Preis!

Spenden sollten gezielt gemacht werden und nicht aus Mitleid.

Wie und was können wir tun, damit unsere Hilfe dort ankommt, wo sie wirklich benötigt wird?

Wir können Kontakt mit einer lokalen NGO vor unserer Abreise aufnehmen und fragen, was sie wirklich benötigen.             


Es gibt unzählige kleine und große Organisationen in Afrika, die sich um die Menschen dort kümmern. Alle heißen westliche Touristen willkommen, die ein bisschen von ihrer Urlaubszeit für einen kurzen Besuch erübrigen möchten. Zu finden sind diese am einfachsten im Internet.

Wir können eine Schule spontan besuchen

Man sieht viele Schulen entlang der Hauptstraßen, unterwegs trifft man die in makellos sauberen Uniformen gekleideten Kinder, die einem beim Vorbeifahren höflich und fröhlich zuwinken. Schulen können jederzeit und ohne Vorankündigung besucht werden. Ein Lehrer oder der Schulleiter steht immer zur Verfügung und wird gerne erklären, wo es in der Schule Bedarf gibt.

Man kann die Klassenräume besuchen und auf dem Hof mit den Kindern Fußball spielen. Übrigens, das ist womöglich das Geschenk, was den Kindern am meisten Freude macht, ein Fußball!

Wir können die lokalen Guides mit materiellen Sachen unterstützen

Unterwegs auf einer Safari werden wir neben unserem eigenen Guide von vielen anderen lokalen Guides kurzweilig auf Aktivitäten begleitet, die vielleicht nur mit einer dürftigen Ausrüstung ausgestattet sind. Dies trifft insbesondere auf Bergguides zu. Mir ist zum Beispiel bekannt, wie dürftig die Bergführer im Ruwenzori Gebirge in Uganda bekleidet sind.

Ein altes Fernglas, welches man nicht mehr benutzt, eine alte Fotokamera, Trekkingschuhe, die man nach Trekkingende nicht mehr braucht, ein warmer Fleece und eine Mütze für die kalten Tage im Hochgebirge, ein Bestimmungsbuch über Vögel oder Säugetiere, sogar ein altes Handy… Sachen, die man nicht mehr braucht, können für so viele so viel bedeuten!

Und was spende ich auf meiner Reise?

Die Zeiten, in denen man Bonbons und Buntstifte verteilt hat, sind zum Glück passé.

Die Zeiten, in denen man Bonbons und Buntstifte verteilt hat, sind zum Glück passé.

Die heutigen sinnvollen Spendenartikel haben sich den modernen Zeiten angepasst.

Am liebsten angenommen werden:

Fußbälle sind immer noch bei Kindern als Spende unglaublich beliebt

Unter den Kindern ein wahrer Knaller. Man nimmt vorher die Luft natürlich weg und packt noch eine Pumpe dazu. Mit den Kindern auf dem Hof Fußball zu spielen ist eine der schönsten und intensivsten Erinnerungen an einer Afrikareise.

Alt und aus der Mode gekommen aber in Afrika immer noch wertvoll: die guten, alten Nokia-Handys

Wo es bei uns nur noch um Smartphones geht, sind die alten und robust gebauten Handys immer noch das beste funktionierende Mittel für die Kommunikation in der Savanne. Zu den Handys hinzukommen noch alte Laptops und Fotokameras. Bitte packt noch die notwendigen Akkus und Ladekabel dazu!

Besser als wegschmeißen: deinem Guide deine alte Trekkingschuhe geben

Schuhe sind in Afrika teuer. Ein Koffer voller alter Schuhpaare hat daher sehr viel Wert. Afrikaner haben in der Regel kleinere Füße als wir. Am besten Kinderschuhe und Damenschuhe kleinerer Größe mitnehmen.

Und sonst, was noch können wir tun, um unseren kleinen Beitrag zu leisten?

  • Reist lieber mit Fluglinien, die großzügig mit der Gepäckgrenze umgehen. KLM oder Brussels Airlines lassen zum Beispiel 2 Gepäckstücke für jeweils 23 kg zu. Ein ganzer Koffer, der zu Safaribeginn abgegeben wird, kann mit Spendenartikeln vollgestopft werden.
  • Andenken am besten von einem lokalen Kleinhändler und wo möglich direkt vom Künstler kaufen. So erreicht das Geld diejenigen, die es am nötigsten haben – für sie bedeutet es sehr viel. Beim Kauf in einem großen, westlich orientierten Geschäft erreicht nur ein Bruchteil des verlangten Preises den tatsächlichen Hersteller. Und ganz wichtig: niemals von Kindern kaufen!
  • Baut auf Eurer Safari etwas Community-Tourismus ein. Viele Dörfer und Gemeinde haben ein sogenannter Village-Walk auf die Beine gestellt, bei dem Gäste gegen eine kleine Gebühr mit auf einen Spaziergang durch Dörfer, einem Besuch der Schule, des Marktes, der Klinik, des Schamanen und natürlich der lokalen Brauerei genommen werden. Macht Euch vor Eurer Safari kundig. Es gibt sicherlich unweit von Eurer Route ein solches Projekt, was ihr mit Eurem Besuch unterstützen könnt.

Suche im Internet nach lokalen Organisationen vor Ort, nimm Kontakt auf und sammle bei Dir und Deinen Freunden brauchbare und benötigte Spenden in einem Koffer. Besuche eine Schule, spiele eine Runde mit den Kindern, vielleicht packst Du lieber zwei oder drei Bälle und eine Pumpe ein.

Und während der Reise kaufst Du Deine Andenken direkt bei Straßenhändlern. Diese einfachen Gesten bedeuten viel für viele Menschen.

Und schnell verwandelt sich Dein schlechtes Gewissen zum Segen für die Menschen, die Deinen Weg auf Deiner Reise kreuzen.

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